20:15:15 Freitag, 22 November 2019

Der Großteil der kanarischen Wirtschaft beruht auf der Tourismusbranche, die 80 Prozent des Bruttoeinkommens des Archipels ausmacht. Mit ihrem Klima, das eines der besten der Welt ist, ziehen die Kanarischen Inseln jedes Jahr Millionen von Touristen an. Außerdem setzen die Einheimischen auf die Bananenindustrie, andere landwirtschaftliche Exporte und neue, mit dem Tourismus in Verbindung stehende Dienstleistungen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

In den Jahrhunderten nach der Eroberung durch die Spanier waren die Hauptstützen der kanarischen Wirtschaft die Zucker- und Weinindustrie. Direkt nach der Eroberung begann auf den Inseln die Zuckerproduktion, mit Rohrzucker, der aus Madeira importiert wurde, doch in der Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Produktion zurück. Der Grund dafür war die starke Konkurrenz aus Brasilien und der Karibik, wo Zucker viel preiswerter hergestellt werden konnte. Die Weinindustrie, die ihren Höhepunkt im 16. Jahrhundert erlebte, brach zu Beginn des 18. Jahrhunderts aufgrund einer Heuschreckenplage und aufgrund von Schimmelbefall, der die Weinberge zerstörte, zusammen. Doch sie hat sich inzwischen wieder erholt und die Weine von Gran Canaria, Lanzarote, La Palma und Teneriffa erfreuen sich an immer größerer Beliebtheit.

Von etwa 1830 bis 1870, als die Nachfrage nach karminroter Lebensmittelfarbe wuchs, florierte die Karminproduktion auf den Inseln – was insbesondere für die ärmere Bevölkerung eine bessere Zukunft versprach. Aber dieser Traum war nicht von langer Dauer. Die Entwicklung synthetischer Farbstoffe war der Grund für den Niedergang der Karminindustrie.

Die Wirtschaft des Archipels wurde um 1850 mit der Einführung des industriellen Bananenanbaus gerettet. Der Anbau dieser Frucht wurde immer wichtiger und Bananen wurden der wichtigste Exportartikel der Inseln. Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte der Bananenexport seine Blütezeit. Doch wieder gab es starke Konkurrenz aus dem Ausland, dieses Mal aus lateinamerikanischen Ländern. Es war nicht mehr möglich, ausschließlich vom Bananenexport zu leben, sodass die Bauern gezwungen waren, ihr Sortiment zu erweitern und Tomaten, Kartoffeln, anderes Gemüse und exotische Früchte anzubauen.

Heutzutage sind die Bananen, die auf dem spanischen Markt verkauft werden, vor Konkurrenz aus dem Ausland geschützt, doch ihr Anbau wurde aufgrund höherer Kosten und aufgrund von Wassermangel unrentabel. Tomaten werden in großem Stil angebaut, hauptsächlich für Exporte zwischen November und April. In den letzten Jahren hat sich außerdem der Anbau von Blumen und Pflanzen zu einem florierenden Geschäft entwickelt.