19:14:47 Dienstag, 23 Juli 2019

„Die Kanaren sind wie der Riese Teide – verschneite Ruhe außen und Feuer im Herzen…“ (Volkslied).

Lange bevor die ersten europäischen Seefahrer die Kanarischen Inseln erreichten, waren alle sieben Inseln bewohnt. Diese Bewohner wurden nach einem Begriff aus der Sprache der Ureinwohner allgemein Guanchen genannt – „guan“ heißt „Mensch“ und „che“ „weißer Berg“, was sich auf den schneebedeckten Gipfel des Teide auf Teneriffa bezog – obwohl jede Insel für ihre Bewohner eigentlich ihren eigenen, einzigartigen Namen in der Sprache der Ureinwohner hatte. Die Einwohner Gran Canarias heißen zum Beispiel eigentlich Canarios. Es wird angenommen, dass die ersten Guanchen zwischen dem 5. und 1. Jh. v. Chr. auf den Inseln ankamen, vermutlich aus Afrika. Laut spanischer historischer Aufzeichnungen waren die Guanchen groß, kräftig gebaut, hellhäutig und hatten blaue Augen und blonde Haare.

Die Guanchen waren Höhlenbewohner, was in Anbetracht des Klimas der Kanarischen Inseln eine logische Entwicklung war. Eine Höhle als Wohnstätte war sowohl im Sommer als auch im Winter die perfekte Lösung, denn im Sommer war sie kühl und im Winter warm. Außerdem eignete sie sich ideal für Lagerzwecke.

Aber wie kamen die Guanchen auf die Inseln? Es gibt keinen Beweis dafür, dass sie Boote hatten. Niemand kann diese Frage sicher beantworten, aber viele denken, dass sie dort von Piraten ausgesetzt wurden. Oder sie könnten Verurteilte gewesen sein, die von den Römern oder den Karthagern ins Exil verbannt wurden. Eine andere Theorie besagt, dass sie in aus Schilfrohr angefertigten Booten aus Nordafrika kamen.

Bräuche und Traditionen
Pueblo Canario
Mundo Aborigen

Auch wenn die Guanchen lernten, ihre Lebensweise an die felsigen Landschaften anzupassen und in Höhlen oder einfachen, aus Felsen gebauten Hütten lebten, war ihre Gesellschaft nicht vollkommen primitiv: Sie hatten eine relativ komplexe Sozialstruktur. Diese unterschied sich von Insel zu Insel, aber die meisten hatten ein Stammessystem, das von einem Stammesführer angeführt wurde, der wiederum von einem Ältestenrat beraten wurde. Als die Ureinwohner von den Spaniern entdeckt wurden, waren sie fortschrittlich genug, um zu töpfern. Ihre wichtigsten Lebensmittel waren Milch, Butter, Ziegen- und Schweinefleisch und einige Früchte. Sie kleideten sich mit Ledertuniken oder Westen aus geflochtenem Schilf. Sie hinterließen buchstabenähnliche Zeichen und Felsritzungen und -malereien, doch deren Bedeutung ist bis heute unklar.

Heute leben auf Gran Canaria 517 Menschen pro Quadratkilometer. Dies ist die höchste Bevölkerungsdichte auf dem Archipel und in ganz Europa. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Stadt Las Palmas, ein Ort mit einer großartigen ethnischen Vielfalt und einem sehr weltoffenen Image.

Die Bewohner Gran Canarias sind stolze, freundliche und entspannte Menschen, von denen die Mehrheit Nachkommen der spanischen Eroberer, Besiedler und der angepassten Guanchen sind. Im Allgemeinen sind sie offen, hilfsbereit und freuen sich darüber, Besuchern ihre Kultur und ihre Insel zu zeigen.

Infolge der Tatsache, dass die Kanaren so lange eine Brücke zwischen Europa und den amerikanischen und afrikanischen Kontinenten war, haben sich schon in frühen Zeiten viele Menschen anderer Nationen – insbesondere Händlerfamilien und Völker von Seefahrern – auf den Kanarischen Inseln niedergelassen. Ihre Nachkommen sind vollständig in die Gesellschaft der Insel integriert und niemand würde ihnen ihren Status als echte Canarios absprechen.

Fast 96 Prozent der Bewohner der Kanarischen Inseln sind sehr traditionsbewusste Katholiken. Dies wird an wichtigen religiösen Feiertagen deutlich und besonders in der Semana Santa (Heilige Woche), in der überall auf den Inseln große Feierlichkeiten stattfinden.